Drei Stufen auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit
1. Der Delegierer
Du gibst Aufgaben ab, etwa an eine virtuelle Assistenz. Das entlastet Dich im Alltag. Wenn jede Rückfrage und jede Ausnahme weiterhin bei Dir landet, bleibst Du jedoch für den Ablauf unverzichtbar. Eine hilfreiche Prüffrage lautet: Kann Dein Team handeln, während Du nicht erreichbar bist?
2. Der Prozessbauer
Du hältst fest, wie wiederkehrende Situationen bearbeitet werden. Eine brauchbare Anleitung beschreibt die nötigen Informationen, die zuständige Person, deren Entscheidungsspielraum und den Punkt, an dem eine Rückfrage erforderlich ist. So kann das Team auch bei Abweichungen vom Normalfall nachvollziehbar handeln.
3. Der Systemarchitekt
Auch die Pflege der Abläufe wird zur Aufgabe des Teams. Mitarbeitende verbessern Prozesse und arbeiten neue Kolleginnen und Kollegen ein. Deine Rolle verschiebt sich: Du gestaltest die Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten, statt jede einzelne Aufgabe zu steuern.
Das Buchbeispiel: ein Wasserschaden ohne klare Zuständigkeit
In der Folge erzähle ich eine Geschichte mit Julia und Christian aus meinem Buch SELBSTLÄUFER. Während ihrer Abwesenheit meldet ein Mieter einen Wasserschaden. Die Assistenz fragt nach, darf aber selbst keinen Handwerker beauftragen. Weil eine Entscheidung ausbleibt, entsteht ein vermeidbarer Folgeschaden. Das Beispiel zeigt, warum Aufgabenverteilung auch klare Befugnisse und Regeln für dringende Fälle braucht. Es ist ein Buchbeispiel, kein Kundenbericht.
Warum dokumentierte Abläufe auch bei KI helfen
Eine Anweisung wie „Kümmere Dich um die Nebenkosten“ lässt viele Fragen offen. Ein dokumentierter Ablauf benennt Datenquellen, Bearbeitungsschritte und das erwartete Ergebnis. Diese Klarheit hilft Menschen bei der Zusammenarbeit und schafft eine Grundlage, um geeignete Schritte später zu automatisieren. Welche Schritte sich dafür eignen, muss jeweils geprüft werden.
Dein erster Schritt: 90 Minuten Bestandsaufnahme
Mit der Übung „Probesterben“ meine ich einen gedanklichen Ausfalltest. Nimm Dir 90 Minuten und frage Dich, was passieren würde, wenn Du ab morgen sechs Wochen nicht zur Verfügung stehst. Bewerte den heutigen Zustand, ohne gedanklich noch schnell eine Übergabe einzubauen.
- Welche Abläufe kennt bisher nur eine Person?
- Wer darf notwendige Entscheidungen treffen?
- Sind Zugänge und Vertretungsregelungen für die zuständigen Personen verfügbar?
- Wer reagiert auf dringende Mietermeldungen?
- Welche Fristen müssen während Deiner Abwesenheit eingehalten werden?
Die Antworten zeigen Dir, welche Abläufe Du zuerst dokumentieren und welche Zuständigkeiten Du klären solltest. Arbeite die Punkte anschließend Schritt für Schritt ab.
Audiofolge hören und Videofassung ansehen
Die Zeitmarken beziehen sich auf die ergänzende Videofassung auf YouTube.
- 00:01Der Sechs-Wochen-Test
- 01:56Die drei Stufen
- 04:47Das Buchbeispiel
- 07:01Dokumentation und KI
- 08:15Die 90-Minuten-Übung
Begleitende Unterlagen: Übersicht öffentlich, Downloads nach bestätigter Newsletter-Anmeldung.
