Artikel zum Podcast
Notfallvorsorge für Unternehmer: Was wäre, wenn Du morgen ausfällst?
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 02.12.2024

Stell Dir vor, Du kommst heute Abend nicht mehr nach Hause. Der Gedanke ist unangenehm – und genau deshalb lohnt er sich. Er zeigt innerhalb weniger Minuten, was in Deinem Leben ungeregelt ist.
Ich bin selbst über eine Flugsituation mit heftigen Turbulenzen auf das Thema gekommen. In diesen Minuten ging mir nicht mein Lebenswerk durch den Kopf, sondern sehr banale Fragen: Wer kennt meine Zugänge? Wer weiß, wo die wichtigen Unterlagen liegen? Wer informiert wen?
1. Der private Bereich: Unterlagen, Zugänge, Alltag
Nach dem ersten Schock kommen bei Angehörigen sehr praktische Fragen. Geh diese Liste einmal ehrlich durch:
- Weiß jemand, wo Versicherungen, Verträge und wichtige Dokumente liegen?
- Haben Deine Angehörigen im Ernstfall Zugang zu den Konten?
- Sind digitale Zugänge – Mail, Cloud, Geräte – irgendwo sicher hinterlegt?
- Wer kennt Codes für Haus oder Wohnung und weiß, wo Wertsachen verwahrt sind?
- Wer weiß, wie Heizung, Wartungsverträge und laufende Verpflichtungen funktionieren?
2. Digitale Vorsorge sauber lösen
Zugänge gehören nicht auf einen Zettel in der Schublade und nicht in eine Textdatei auf dem Rechner. Der saubere Weg ist ein Passwortmanager mit einer klar geregelten Notfallfreigabe.
Lege zusätzlich fest, wer sich im Ernstfall um Deine digitalen Konten kümmert. Mehr zum Umgang mit Zugängen steht im Artikel Passwörter organisieren.
3. Das, was sich nicht in Ordnern regeln lässt
Neben Unterlagen gibt es die andere Ebene: unausgesprochene Dinge, alte Konflikte, Wertschätzung, die nie ausgesprochen wurde. Diese Punkte tauchen in der Übung fast immer auf – und sie kosten am wenigsten Geld und am meisten Überwindung.
Dasselbe gilt für die aufgeschobenen Vorhaben: die Reise, das Hobby, die bewusste Zeit mit den Menschen, die Dir wichtig sind. Aus „irgendwann“ wird erfahrungsgemäß selten ein Termin.
4. Im Unternehmen: Läuft es ohne Dich weiter?
Die zentrale Frage lautet nicht, ob Dein Unternehmen ohne Dich weiterläuft, sondern wie lange. Wer stolz darauf ist, unverzichtbar zu sein, hat kein Erfolgsmodell gebaut, sondern eine Falle.
- Rechtlich: Vollmachten für Konten, Vertretungsregelungen, aktuelles Testament.
- Operativ: dokumentierte Kernprozesse, hinterlegte Zugänge, klare Zuständigkeiten.
- Kommunikation: Wer informiert Kunden, Lieferanten, Bank und Mitarbeitende – und in welcher Reihenfolge?
- Zukunft: Notfallplan, geregelte Nachfolge, realistische Einschätzung des Unternehmenswerts.
Was in einem Notfall zählt, merkt man meist schon bei einer zweiwöchigen Krankheit: Plötzlich fehlt genau der Zugang oder die Information, die nur eine Person hatte.
5. Geh einen normalen Tag mit anderen Augen durch
Die wirksamste Übung ist keine Checkliste, sondern ein gedanklicher Durchgang durch einen ganz normalen Tag: Aufstehen, Arbeitsweg, Vormittag, Mittag, Besprechungen, Feierabend.
Frag an jeder Station: Wer wüsste hier Bescheid? Wo liegt das, was nötig wäre? Die Lücken werden sehr schnell sichtbar – und meistens sind es überraschend wenige, die richtig wehtun.
Sortiere Deine Notizen danach in die Eisenhower-Matrix und markiere die drei wichtigsten Punkte.
6. Die ersten Schritte, privat und geschäftlich
- Notfallordner anlegen – physisch und digital – und eine Vertrauensperson über den Ort informieren.
- Liste aller wichtigen Zugänge erstellen und im Passwortmanager mit Notfallzugriff ablegen.
- Drei Gespräche planen, die Du seit Längerem führen wolltest.
- Ein Notfallhandbuch fürs Unternehmen beginnen: Prozesse, Verantwortliche, Zugänge.
- Termin mit Anwalt und Steuerberatung vereinbaren und bestehende Regelungen prüfen.
Fang mit einem überschaubaren Zeitblock an und bearbeite zuerst die wichtigsten Lücken. Wie lange die Vorsorge braucht, hängt von Deiner persönlichen und geschäftlichen Situation ab.
Deine Übung an diesem Wochenende
- Nimm Zettel und Stift und geh Deinen gestrigen Tag Stunde für Stunde durch.
- Notiere an jeder Station, welche Information nur Du hast.
- Trage alle Notizen in die vier Felder wichtig/dringend ein.
- Markiere die drei dringendsten Punkte und plane für jeden einen Termin.
- Erledige einen davon noch an diesem Wochenende.
Begleitende Unterlagen zu dieser Folge
Checkliste · PDF · 2 Seiten
Probesterben: Mehr Klarheit und Ordnung
Schaffe Überblick für den Fall, dass Du einmal ausfällst. Die Checkliste führt durch private und geschäftliche Themen – von Notfallordner und digitaler Vorsorge bis zu Zuständigkeiten, wichtigen Gesprächen und ersten Umsetzungsschritten.
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Folge 35 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 35 von „Erfolg ist kein Glück“: „Probesterben – Die produktivste Generalprobe deines Lebens“ vom 02.12.2024.
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