Artikel zum Podcast
Die Ivy-Lee-Methode: Sechs Aufgaben, eine Reihenfolge
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 09.12.2024

Wir haben mehr Werkzeuge zur Planung als jede Generation vor uns – und viele Menschen fühlen sich trotzdem weniger produktiv. Ein Grund dafür: Wir verwechseln Kompliziertheit mit Wirksamkeit.
Die Ivy-Lee-Methode geht in die Gegenrichtung. Sie besteht aus sechs Schritten, passt auf einen Notizzettel und stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der Überlieferung nach wurde sie einem amerikanischen Industriellen so wertvoll, dass er dafür eine für damalige Verhältnisse spektakuläre Summe zahlte.
1. Die Methode in sechs Schritten
- Nimm Dir am Ende des Arbeitstages ein leeres Blatt – nicht morgens.
- Schreibe die sechs wichtigsten Aufgaben für morgen auf. Sechs, nicht sieben.
- Bring sie in eine strikte Reihenfolge: Nummer eins ist die wichtigste, nicht die dringendste.
- Leg die Liste auf Deinen Schreibtisch, bevor Du gehst.
- Beginne am nächsten Morgen mit Nummer eins – vor Mails, vor allem anderen.
- Arbeite der Reihe nach. Was übrig bleibt, wandert auf die Liste für morgen.
2. Warum so wenig so viel bringt
Erstens zwingt die Begrenzung auf sechs Punkte zu einer echten Entscheidung. Wer zwanzig Aufgaben notiert, hat nicht priorisiert, sondern nur gesammelt.
Zweitens spart die Reihenfolge am Morgen die Frage „Womit fange ich an?“ – und damit die Entscheidungen, die Dich vor der eigentlichen Arbeit ermüden.
Drittens sorgt die Abendplanung dafür, dass Du mit dem klaren Blick des Tagesendes entscheidest, statt im morgendlichen Ansturm aus Mails und Nachrichten.
Und es gibt einen unterschätzten vierten Effekt: Du gehst mit einem abgeschlossenen Tag nach Hause. Was offen ist, steht auf dem Blatt und nicht mehr in Deinem Kopf.
3. Die fünf typischen Fallen
- Noch eine Aufgabe draufpacken: Die Kraft liegt genau in der Begrenzung.
- Die Liste auf den Morgen verschieben: Dann entscheidet der Posteingang für Dich.
- Mit etwas Leichtem anfangen: Nummer eins steht nicht zufällig oben.
- Zwischendurch Mails prüfen: Damit ist der Fokus weg – siehe Mythos Multitasking.
- An chaotischen Tagen aussetzen: Gerade dann ist die Liste Dein Kompass.
Eine Woche kann einen ersten Eindruck geben. Wenn Dir die Methode grundsätzlich hilft, erprobe sie auch unter verschiedenen Alltagsbedingungen.
Was auf die Liste gehört – und was nicht
Auf die Liste gehören Aufgaben, die Dich Deinen Vorhaben näherbringen und die mindestens eine halbe Stunde Arbeit bedeuten. Alles, was in zwei Minuten erledigt ist, gehört nicht darauf, sondern einfach getan.
Nicht auf die Liste gehören fremde Erwartungen, die Du noch gar nicht geprüft hast. Bevor Du eine Aufgabe auf Platz eins setzt, stelle die Frage, ob sie überhaupt Deine ist – siehe Delegieren lernen.
4. Papier oder digital?
Meine Empfehlung: Fang analog an. Ein Blatt Papier kennt keine Benachrichtigungen, das Schreiben von Hand macht die Liste verbindlicher, und Du kannst nicht eben drei Punkte dazwischenschieben.
Später kannst Du die Methode in Dein digitales System übertragen. Sie verträgt sich gut mit Timeboxing für die einzelnen Aufgaben und mit der Pomodoro-Technik für die Zeiteinteilung.
5. Die Methode im Team nutzen
Wenn mehrere Menschen zusammenarbeiten, hilft Transparenz: Jeder kennt die Top-Aufgaben der anderen. Das verhindert Nachfragen und macht klar, wann jemand nicht erreichbar sein sollte.
Praktisch bewährt sich ein geschützter Block am Morgen, in dem jeder an seiner Nummer eins arbeitet – ohne Besprechungen.
Wichtig ist dabei die Ehrlichkeit: Sechs Aufgaben heißt sechs Aufgaben, die wirklich Arbeit sind. Wer Termine, Rückrufe und Kleinkram mitzählt, hat am Ende eine Liste voller Erledigungen und keinen Fortschritt.
Deine Übung: 21 Tage sechs Aufgaben
- Schreib heute Abend sechs Aufgaben für morgen auf ein Blatt Papier.
- Sortiere sie nach Wichtigkeit und leg das Blatt auf Deinen Arbeitsplatz.
- Beginne morgen mit Nummer eins, bevor Du Mails öffnest.
- Wiederhole das 21 Tage lang – auch an Tagen, an denen alles anders läuft.
- Notiere nach drei Wochen, was sich an Deinen Ergebnissen verändert hat.
Begleitende Unterlagen zu dieser Folge
Praxisanleitung · PDF · 2 Seiten
Die Ivy-Lee-Methode: Sechs Aufgaben, klare Prioritäten
Plane am Abend Deine sechs wichtigsten Aufgaben für den nächsten Tag und bringe sie in eine klare Reihenfolge. Die Anleitung hilft Dir, morgens mit der ersten Aufgabe zu beginnen und die Methode über 21 Tage auszuprobieren.
Unterlage kostenfrei anfordernDer Download öffnet sich nach Deiner kostenfreien Newsletter-Anmeldung und der Bestätigung per E-Mail.
Folge 36 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 36 von „Erfolg ist kein Glück“: „Die 25.000-Dollar-Methode: Wie die Ivy Lee Methode deine Produktivität revolutioniert“ vom 09.12.2024.
Folge 36 anhören