Artikel zum Podcast
Die Franklin-Methode: Schwierige Entscheidungen strukturiert klären
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 16.12.2024

Eine große Entscheidung steht an: ein Jobwechsel, ein Kauf, eine Gründung. Wie gehst Du vor? Bauchgefühl? Eine schnelle Pro-und-Contra-Liste? Alle Freunde fragen und am Ende genauso ratlos sein?
Benjamin Franklin beschrieb 1772 in einem Brief an Joseph Priestley seine „Moral or Prudential Algebra“: Er sammelte Gründe über drei oder vier Tage, strich gegeneinander gleich gewichtete Argumente und wartete bei verbleibendem Zweifel gegebenenfalls ein oder zwei Tage zusätzlich. Die folgende Dreitagesübung mit Zahlenwerten ist eine vereinfachte moderne Anpassung, nicht Franklins historisch exakt vorgeschriebener Ablauf.
1. Was Du brauchst
- Ein leeres Blatt Papier mit einem senkrechten Strich in der Mitte.
- Drei Tage Zeit für die hier vorgeschlagene Übung.
- Eine Entscheidung, bei der beide Wege plausibel erscheinen.
- Ehrlichkeit mit Dir selbst, auch bei unbequemen Argumenten.
2. Tag eins: alles sammeln
Schreibe links alle Argumente dafür, rechts alle dagegen. Ohne Bewertung, ohne Filter. Auch scheinbar Kleines gehört auf das Blatt – oft sind es genau diese Punkte, die später den Ausschlag geben.
3. Tag zwei: prüfen und ergänzen
Nach einer Nacht liest sich dieselbe Liste anders. Streiche, was sich als unwichtig erweist, markiere das Entscheidende und ergänze, was Dir inzwischen eingefallen ist.
Dieser Abstand ist der eigentliche Kern der Methode: Er gibt Deinem Kopf Zeit, ohne dass Du bewusst grübelst.
4. Tag drei: gewichten
Jetzt bewertest Du jeden verbliebenen Punkt – etwa auf einer Skala von 1 für „leicht wichtig“ bis 5 für „entscheidend“. Anschließend addierst Du beide Spalten und vergleichst.
Die Summe ist kein Urteil, sondern ein Spiegel. Wenn Dich das Ergebnis erleichtert, weißt Du Bescheid. Wenn es Dich ärgert, weißt Du es auch.
Wichtig ist, dass Du nicht die Anzahl der Punkte zählst, sondern ihr Gewicht. Ein entscheidendes Argument kann für Dich mehr wiegen als mehrere kleine Bequemlichkeiten. Die Zahlen helfen beim Ordnen, ersetzen aber nicht Dein Urteil.
5. Zwei sinnvolle Erweiterungen
Erstens die zeitliche Ebene: Bewerte jeden Punkt zusätzlich kurz-, mittel- und langfristig. Manche Option, die kurzfristig sicher wirkt, ist über Jahre die riskantere.
Zweitens die Variante für Gruppen: Alle Beteiligten füllen ihr Blatt unabhängig aus, erst danach werden die Ergebnisse verglichen. Das verhindert, dass die erste geäußerte Meinung den Rest färbt.
Wofür sich die Methode besonders eignet
Am stärksten ist sie dort, wo viele Faktoren zusammenkommen und beide Wege vertretbar wirken: Jobwechsel, Gründung, größere Investitionen, Partnerschaften, Personalentscheidungen.
Auch im Privaten funktioniert sie gut – bei einem Umzug, einer größeren Anschaffung oder einer Ausbildungsentscheidung. Überall dort also, wo Du sonst wochenlang dieselben Argumente im Kreis denkst.
Ein Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Das Blatt bleibt erhalten. Wenn Du in einem Jahr zweifelst, kannst Du nachlesen, was Du damals wusstest und wie Du gewichtet hast. Das nimmt spätere Selbstvorwürfe deutlich ab.
6. Wann Du die Methode nicht nutzen solltest
- Bei akuten Notlagen – drei Tage hast Du dann nicht.
- Bei kleinen Alltagsentscheidungen: dafür gibt es die 3-Sekunden-Regel.
- Bei rein emotionalen Fragen, bei denen keine Spalte hilft.
- Unter extremem Zeitdruck, wenn ohnehin nur eine Option bleibt.
Und sie ersetzt Deine Intuition nicht – sie ordnet sie. Häufig bringt sie keine neue Erkenntnis, sondern Klarheit über das, was Du längst ahnst.
Deine Übung für die nächsten drei Tage
- Wähle eine Entscheidung, die wichtig, aber nicht existenziell ist – zum Üben.
- Tag 1: alle Argumente sammeln, ohne zu bewerten.
- Tag 2: streichen, markieren, ergänzen.
- Tag 3: von 1 bis 5 gewichten und die Spalten vergleichen.
- Notiere, wie Du Dich beim Ergebnis fühlst – das ist der letzte Prüfschritt.
Begleitende Unterlagen zu dieser Folge
Entscheidungsleitfaden · PDF · 3 Seiten
Die Franklin-Methode: Entscheidungen klarer treffen
Ordne eine wichtige Entscheidung mit einer strukturierten Pro-und-Contra-Betrachtung. Der Leitfaden führt Dich durch drei Tage des Sammelns, Reflektierens und Bewertens und enthält eine Checkliste für den Einstieg.
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Folge 37 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 37 von „Erfolg ist kein Glück“: „Die Franklin-Methode – Entscheidungen treffen wie ein Genie“ vom 16.12.2024.
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