Zum Podcast

    Artikel zum Podcast

    Aus Entscheidungen lernen: Das dreistufige Reflexionssystem

    Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 25.02.2025

    Ich bin einmal losgefahren mit einer angezeigten Reichweite von 150 Kilometern und einem Ziel in 120 Kilometern Entfernung. Die Rechnung schien eindeutig. Auf halber Strecke begann die Anzeige zu blinken, die Restreichweite sank schneller als die gefahrenen Kilometer, und ich musste ungeplant anhalten.

    Es geht hier nicht ums Tanken. Es geht darum, dass wir alle Fehler machen – und dass die meisten von uns denken „Das mache ich nächstes Mal besser“, ohne dass daraus je etwas Konkretes wird.

    1. Die drei Schritte

    Schritt 1 – die Reflexionsfrage: Würde ich diese Entscheidung mit dem Wissen von damals wieder genauso treffen? Diese Formulierung schneidet Ausflüchte über die besonderen Umstände sofort ab.

    Schritt 2 – die Lernableitung: Lautet die Antwort ja, war die Entscheidung gut, auch wenn das Ergebnis es nicht war. Lautet sie nein, folgt die Frage: Was genau würde ich anders machen? Nicht „besser planen“, sondern präzise.

    Schritt 3 – die Regel: Forme die Erkenntnis in einen anwendbaren Satz um und halte ihn fest. In meinem Beispiel lautet meine persönliche Regel: immer tanken, wenn die Reichweite unter dem Anderthalbfachen der geplanten Strecke liegt.

    2. Die eigentliche Kraft: Muster übertragen

    Im Kern ging es bei meiner Tankgeschichte nicht um Benzin, sondern um fehlenden Puffer. Und Puffer fehlt an erstaunlich vielen Stellen.

    • Tagesplanung: Nicht mehr als einen Teil des Arbeitstages fest verplanen – siehe Kalender und Timeboxing.
    • Projekte: Zeit und Budget grundsätzlich mit einem festen Aufschlag kalkulieren.
    • Finanzen: Einen festen Anteil der Einnahmen nicht verplanen, sondern als Reserve halten.

    Eine sehr verbreitete Regel, die aus dieser Übung entsteht, lautet schlicht: jede Zeitschätzung mit 1,5 multiplizieren. Einfach – und für viele der wirksamste Satz ihres Arbeitsjahres.

    3. So baust Du es in Deinen Alltag ein

    Tägliche Kurzreflexion: drei bis fünf Minuten am Abend. Welche wichtigen Entscheidungen habe ich heute getroffen? Würde ich sie wieder so treffen? Wenn nicht, wie lautet meine neue Regel?

    Das Entscheidungsjournal: ein Heft oder eine Datei mit Situation, Entscheidung, Ergebnis und Regel. Nach einem Jahr hast Du ein persönliches Handbuch, das es so nirgends zu kaufen gibt.

    Die Regelrevision: einmal pro Quartal durchsehen. Welche Regeln wende ich an, welche ignoriere ich – und warum? Welche muss ich anpassen? Das passt gut in den Wochenrückblick, nur eben im größeren Takt.

    4. Drei Stolpersteine

    Die emotionale Hürde: Die wenigsten geben gern Fehler zu, auch nicht vor sich selbst. Hilfreich ist die Umdeutung – Du beurteilst Dich nicht, Du sammelst Daten über Dich.

    Die Konsequenzlücke: Am Anfang vergisst Du das System schlicht. Setz Dir einen festen Auslöser, etwa eine Erinnerung am Abend oder die Verbindung mit einer bestehenden Gewohnheit.

    Die Überkonstruktion: Drei Schritte reichen. Wer daraus ein Formular mit zwölf Feldern macht, füllt es zweimal aus und nie wieder.

    Deine Übung für heute

    1. Nimm die letzte Entscheidung, mit der Du unzufrieden warst.
    2. Beantworte: Würdest Du sie wieder so treffen?
    3. Falls nein: Formuliere präzise, was Du anders machen würdest.
    4. Schreibe daraus eine Regel in einem Satz auf – anwendbar, nicht allgemein.
    5. Lege fest, wo Deine Regeln künftig stehen, und trage die Quartalsrevision in den Kalender ein.

    Folge 50 anhören

    Dieser Artikel basiert auf Folge 50 von „Erfolg ist kein Glück“: „Das Reflexionssystem – Der Turbo für Deine Entscheidungen“ vom 25.02.2025.

    Folge 50 anhören