Artikel zum Podcast
Weniger telefonieren: Wie asynchrone Kommunikation Deinen Tag entlastet
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 24.06.2024

Ich telefoniere seit vielen Jahren fast nicht mehr. Es gibt einen kleinen Kreis von Menschen, mit denen ich telefoniere – Familie und wenige enge Kontakte. Alles andere läuft über andere Wege.
Das klingt zunächst unhöflich und ist für mich das Gegenteil: Ich gebe meinen Gesprächspartnern volle Aufmerksamkeit, wenn ich sie habe – statt halbe, während ich nebenher etwas anderes tue.
1. Warum Telefonate so teuer sind
Ein Anruf kommt, wenn es dem Anrufer passt – nicht, wenn es in Deine Arbeit passt. Er unterbricht genau das, woran Du gerade sitzt, und zwar sofort.
Dazu kommt die Dauer. Aus fünf Minuten wird eine Stunde, weil ein Thema ins nächste übergeht. Und häufig ist das Anliegen beim Anrufer selbst noch gar nicht sortiert.
Ehrliche Frage: Wie oft hast Du beim Telefonieren nebenbei Mails gelesen oder die Spülmaschine ausgeräumt? Genau das ist der Punkt – die Aufmerksamkeit ist längst geteilt.
2. Die Alternativen: Nachricht, Sprachnachricht, Videocall
- Kurze Sachfragen: Textnachricht oder Mail – beantwortbar, wenn es passt.
- Persönliches und Längeres: Sprachnachricht. Ich höre sie bewusst, wenn ich Zeit dafür habe.
- Echte Abstimmung: Videocall mit Termin. Dann haben beide Seiten volle Aufmerksamkeit.
Ich habe einem engen Freund schon eine ganze Serie von Sprachnachrichten geschickt – er hat daraus quasi seinen persönlichen Podcast bekommen, und ich von ihm genauso. Das kostet beide mehr Ruhe und weniger Nerven als jedes Telefonat.
3. So stellst Du schrittweise um
- Lege ein zweites Medium fest, über das Du zuverlässig erreichbar bist.
- Beginne selbst damit: Schreibe oder sprich, statt anzurufen.
- Sag Deinem Umfeld, dass Du ein Experiment über 30 Tage machst – das nimmt Druck raus.
- Bitte um kurze Nachrichten; bei sehr langen darfst Du freundlich um eine kürzere Fassung bitten.
- Bearbeite dieses Medium wirklich zuverlässig, sonst kippt das Vertrauen sofort.
4. Nachrichten brauchen feste Zeitfenster
Die Umstellung wirkt nur, wenn Du Nachrichten nicht ständig nebenbei beantwortest. Sonst hast Du den Anruf durch eine Dauerunterbrechung ersetzt.
Reserviere feste Blöcke, in denen Du Nachrichten liest und beantwortest – am besten als Termin im Kalender, siehe Timeboxing.
5. Wo das Prinzip an Grenzen stößt
Es gibt Berufe und Situationen, in denen Telefonieren zum Job gehört. Dann gilt es für den Job – und Du kannst trotzdem im privaten Bereich damit anfangen.
Ich halte mir zwei Ausnahmen pro Monat frei. Sie sind nicht übertragbar, und genau diese Konsequenz sorgt dafür, dass ein Anruf bei mir tatsächlich bedeutet: Es ist dringend.
Deine Übung: 30 Tage Experiment
- Informiere die fünf Menschen, mit denen Du am häufigsten telefonierst, über Dein Experiment.
- Ersetze 30 Tage lang jedes selbst geplante Telefonat durch Nachricht oder Videocall.
- Lege zwei feste Zeitfenster pro Tag für Nachrichten fest.
- Notiere jeden Anruf, der wirklich unaufschiebbar war.
- Entscheide nach 30 Tagen, welche Telefonate Du dauerhaft behältst.
Folge 28 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 28 von „Erfolg ist kein Glück“: „Warum ich nicht (mehr) telefoniere!“ vom 24.06.2024.
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