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    Die GUT SO-Haltung: Gelassen bleiben, ohne sich abzuschotten

    Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 16.06.2025

    Im ersten Teil habe ich beschrieben, warum mir die „Let Them“-Haltung geholfen hat und wo sie an ihre Grenze stößt – nachzulesen in „Let Them“, Teil 1.

    Wenn Loslassen zum emotionalen Rückzug wird, entsteht aus Gelassenheit irgendwann Gleichgültigkeit. Ich wollte nicht nur ruhig bleiben, ich wollte wieder verstehen. Daraus ist eine Haltung entstanden, die ich hier zum ersten Mal ausführlich aufschreibe.

    1. Warum reines Loslassen nicht reicht

    Der Auslöser war kein Drama, sondern ein Gespräch mit einer Freundin. Sie sagte etwas, das mich getroffen hat – nicht, weil es böse war, sondern weil es stimmte.

    Früher hätte ich innerlich abgewunken: Soll sie denken, was sie will. Diesmal hat das nicht funktioniert. Da war ein Anteil von mir, den ich nicht sehen wollte, weil ich mich so daran gewöhnt hatte, wegzusehen.

    So geht es vielen: Man funktioniert, wirkt ausgeglichen – und hat sich innerlich ein Stück zurückgezogen. Souverän, aber nicht mehr spürbar. Die Frage, die ich mir gestellt habe: Was wäre, wenn ich nicht nur sage „Lass sie“, sondern „Ich sehe Dich, ich verstehe Dich – und das ist gut so“?

    2. Was „Gut so“ nicht heißt

    „Gut so“ ist kein Schulterzucken und keine Decke, unter der alles verschwindet. Es heißt nicht, dass ich das Verhalten gut finde.

    Es heißt: Ich erkenne an, dass mein Gegenüber aus seiner Sicht stimmig handelt. Nicht gegen mich, sondern für sich – aus Schutz, aus Prägung, aus Stress, aus dem Wunsch, gehört zu werden.

    Und es heißt: Ich erlaube mir, in der Situation etwas Brauchbares zu sehen. Auch Enttäuschung ist dabei ein Gewinn, denn sie ist das Ende einer Täuschung. Danach sehe ich klarer.

    3. GUT SO in fünf Schritten

    • G – Gedankliche Distanz: Ich trete innerlich zurück. Das ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.
    • U – Umkehr der Perspektive: Was könnte daran für die andere Person gerade stimmig sein?
    • T – Täuschung beenden: Wenn ich enttäuscht bin, bin ich eine Illusion los und kann neu entscheiden.
    • S – Sinn erkennen: Was zeigt mir diese Situation über mich?
    • O – Offenheit für das Gute: Ich halte den Raum offen – vielleicht jetzt, vielleicht später.

    Das ist bewusst kein starrer Ablauf, sondern eine Reihenfolge, an der Du Dich festhalten kannst, wenn es emotional eng wird. Verwandt damit ist der Gedanke der Kontrollüberzeugung.

    4. Ein Beispiel aus dem Alltag

    Du hast eine lange, persönliche Nachricht geschrieben. Sie wurde gelesen. Es kommt nichts zurück. Ein Tag, zwei Tage. Du wirst unruhig, willst deuten, urteilen, Druck machen oder Dich zurückziehen.

    Distanz: Ich atme. Das ist eine Situation, nicht mein Wert. Perspektive: Vielleicht ist die andere Person überfordert oder ringt mit der Antwort. Täuschung: Meine Erwartung war, dass Menschen reagieren müssen, wie ich es mir wünsche – diese Erwartung ist jetzt weg.

    Sinn: Ich sehe, wie sehr ich Bestätigung von außen suche. Offenheit: Vielleicht ist genau das der nächste Schritt – bei mir zu bleiben. Und dann: „Gut so.“ Nicht weil es schön ist, sondern weil es weiterbringt.

    Deine Übung für diese Woche

    1. Notiere eine Situation, die Dich diese Woche geärgert hat – in zwei Sätzen, ohne Bewertung.
    2. Gehe die fünf Schritte schriftlich durch, je ein Satz pro Buchstabe.
    3. Formuliere beim Schritt „Umkehr“ mindestens zwei mögliche Beweggründe des Gegenübers.
    4. Halte fest, welche Erwartung Du in dieser Situation losgeworden bist.
    5. Entscheide bewusst, ob Du das Thema ansprichst – oder ob es für Dich erledigt ist.

    Ein letzter Gedanke: Du kannst recht haben oder inneren Frieden finden. Diese Haltung macht das Zweite möglich, ohne das Erste aufzugeben.

    Folge 58 anhören

    Dieser Artikel basiert auf Folge 58 von „Erfolg ist kein Glück“: „Let Them hat funktioniert – bis es das nicht mehr tat (Teil 2)“ vom 16.06.2025.

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