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Der meistgeprüfte Mann von Antalya: Gelassenheit unter Druck
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 24.06.2025

Im ersten Teil dieser Geschichte war der Reisepass weg und ein handgeschriebener Ersatzausweis ausgestellt – nachzulesen in Alles ist Training.
Ich dachte, damit sei die Sache erledigt. Tatsächlich fing sie da erst an. An einem einzigen Abend wurde ich vier Mal geprüft – und genau das machte daraus die eigentliche Übung.
1. Eine Stunde am Schalter
Am Schalter legte ich den Online-Check-in und das handgeschriebene Dokument vor. Der Mitarbeiter schaute auf den Bildschirm und sagte nur: „Oh… oh… oh.“ Im System stand der alte, als verloren gemeldete Pass.
Es folgte eine Stunde Kleinarbeit: Mein Name wurde mehrfach falsch eingetippt, das Ablaufdatum war kaum zu entziffern, und es gab eine Diskussion über Mindestgültigkeit – obwohl ich nicht ein-, sondern ausreisen wollte.
Die Schlange hinter mir wurde länger und ungeduldiger. Ich wurde im gleichen Maß ruhiger. Am Ende bekam ich meine Bordkarte, mit dem Hinweis: Den Rest klärt die Passkontrolle.
2. Die Frage aller Fragen
Der Beamte sah das Papier an, dann mich: Was ist das? Ich erklärte es. Er fragte nach einer Verlustmeldung, fand im System nichts – und stellte dann die Frage, auf die es keine bequeme Antwort gibt: Wie sind Sie überhaupt ins Land gekommen?
Ich zeigte ihm mein altes Ticket auf dem Handy. Er holte Verstärkung. Kurz darauf wurde ich vor allen anderen Passagieren freundlich, aber bestimmt in ein Einzelbüro gebracht.
3. Was im Einzelbüro geholfen hat
Ich habe mir innerlich gesagt: Das ist keine Festnahme, das ist die Abschlussprüfung. Und ich habe mich bemüht, ruhig zu wirken – zugegeben auch bei sehr warmer Bürotemperatur.
Der entscheidende Moment war klein: Der Beamte tippte meinen Namen falsch und fand mich nicht. Statt ihn zu korrigieren, sagte ich, mein Name sei kompliziert, das sei nicht sein Fehler – ob ich kurz schauen dürfe. Er ließ mich. Wir fanden den Eintrag.
Danach musste ich eine Verlustmeldung auf einem Formular unterschreiben, das ich nicht lesen konnte. Zwischendurch fragte ich ihn, ob er schon einmal in Deutschland war. Er sagte, er würde gerne nach Berlin. Ab da war die Stimmung eine andere.
4. Optionen machen gelassen
Am Gate dann, kurz vor Mitternacht, wieder: Was ist das? Und diesmal: Wo ist der Ausreisestempel? Ohne Stempel kein Einsteigen. Zurücklaufen war zeitlich unmöglich, also bat ich freundlich darum, die Kontrolle anzurufen.
Während alle anderen einstiegen, saß ich daneben. Und in dieser Wartezeit passierte das, was mich wirklich ruhig gemacht hat: Ich habe mir eine Alternative ausgedacht. Wenn es nicht klappt, bleibe ich eben noch eine Woche, lasse mir die Papiere schicken und mache Urlaub daraus.
Genau das ist der Punkt. Nicht Selbstbeherrschung macht gelassen, sondern ein zweiter gangbarer Weg. Drei Minuten später kam die Polizei mit dem Stempel – quer über das ganze Dokument. Ich durfte einsteigen.
5. Vier Prüfungen, eine Lehre
An diesem Tag haben mich Botschaft, Fluggesellschaft, türkische Polizei und deutsche Bundespolizei geprüft. Ich habe nicht die Nerven verloren – und ich behaupte nicht, dass das jedem in jeder Lage gelingt.
Der Nachgang im Bürgerbüro zu Hause dauerte dann keine Viertelstunde, freundlich und unkompliziert. Und weil ich ohnehin einen neuen Ausweis brauchte, habe ich gleich die Online-Funktion mitgenommen – ein kleiner praktischer Gewinn am Ende einer langen Geschichte.
Deine Übung: der zweite Weg
- Nimm eine anstehende Situation, bei der Du auf eine Zusage angewiesen bist.
- Schreibe auf, was passiert, wenn sie nicht kommt – konkret, nicht dramatisch.
- Entwickle daraus einen zweiten Weg, mit dem Du leben könntest.
- Prüfe, was dieser zweite Weg an Vorbereitung braucht, und erledige davon eine Sache.
- Beobachte, wie sich Dein Auftreten in der Situation verändert, sobald Du nicht mehr angewiesen bist.
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Dieser Artikel basiert auf Folge 60 von „Erfolg ist kein Glück“: „Der meistgeprüfteste Mann von Antalya“ vom 24.06.2025.
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