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    „Let Them“ (Teil 1): Warum die Methode wirkt – und wo sie endet

    Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 09.06.2025

    Die „Let Them“-Haltung, bekannt geworden durch die Autorin Mel Robbins, wird derzeit viel gefeiert – aus meiner Sicht zu Recht. Ich habe sie selbst oft genutzt, auch in einer der schwierigsten Phasen meines Lebens, während meiner Scheidung.

    Sie hat mir Ruhe gegeben und Abstand. Und irgendwann habe ich gemerkt: Genau dieser Abstand hat auch eine Kehrseite.

    1. Worum es geht

    Die Idee ist denkbar einfach. Wenn jemand etwas tut, das Dich ärgert oder verletzt, sagst Du Dir innerlich: Lass sie. Lass ihn.

    Jemand redet schlecht über Dich – lass ihn. Eine zynische Nachricht kommt herein – lass sie. Deine Meinung wird in einer Runde übergangen – lass sie.

    Du kämpfst nicht, Du rechtfertigst Dich nicht, Du steigst aus. Nicht, weil Dir alles gleichgültig wäre, sondern weil Du Dich bewusst gegen die Reaktion entscheidest.

    2. Warum das so gut funktioniert

    Die Haltung unterbricht das automatische Wechselspiel aus Angriff und Verteidigung. Du wirst nicht mehr Teil des Spiels – und allein das verändert den Verlauf.

    Viele Konflikte eskalieren nicht, weil uns jemand angreift, sondern weil wir das Gefühl haben, reagieren zu müssen. Der entscheidende Satz lautet: Du darfst reagieren, aber Du musst nicht.

    Sie erinnert Dich außerdem an eine einfache Grenze: Für das Verhalten anderer bist Du nicht verantwortlich, nur für Deine eigene Reaktion. Eng verwandt damit ist Kontrollüberzeugung.

    3. Wann sie mir geholfen hat

    Meine erste bewusste Anwendung war während meiner Scheidung. Es gab Gespräche, in denen es längst nicht mehr um die Sache ging, sondern nur noch ums Rechthaben. Ich habe mich in Gedankenschleifen verloren und darin, verstanden werden zu wollen.

    Irgendwann habe ich mir in einem dieser Gespräche innerlich gesagt: Lass sie. Nicht trotzig, sondern zum eigenen Schutz. Das Gespräch lief an mir vorbei wie eine Welle, die sich bricht, ohne mich mitzureißen. Danach war ich zum ersten Mal seit Wochen nicht ausgelaugt.

    Seitdem nutze ich das auch beruflich: bei Geschäftspartnern, die plötzlich Bedingungen ändern, bei Vorwürfen, bei Kommentaren im Netz. Ein Satz im Kopf – und ich bleibe bei mir.

    4. Wo die Methode endet

    Und jetzt kommt mein Aber. Diese Haltung schützt Dich, aber sie verbindet nicht. Sie schafft Abstand, aber keine Tiefe. Sie holt Dich aus dem Konflikt – und entfernt Dich zugleich vom Menschen.

    Mir ist das in einem Gespräch mit einem guten Freund aufgefallen. Früher hätte ich gedacht: Soll er denken, was er will. Diesmal habe ich gespürt, dass ich meinen Anteil daran habe – und dass ich gar nicht mehr richtig fühlte, was mich eigentlich getroffen hatte.

    Wer dauerhaft hinter dem Schild steht, wird unverwundbar und gleichzeitig unerreichbar. Für Situationen, in denen Verbindung möglich wäre, ist der reine Abstand der falsche Reflex.

    Für mich war das der Wendepunkt: Ich wollte nicht nur Ruhe im Kopf, sondern Verständnis und Klarheit. Aus dieser Suche ist eine Weiterentwicklung entstanden, die ich in der nächsten Folge beschreibe.

    Deine Übung für diese Woche

    1. Sammle drei Situationen, in denen Du diese Woche reagiert hast, obwohl Du nicht musstest.
    2. Prüfe jede einzeln: Wäre hier Abstand die bessere Antwort gewesen – oder ein ehrliches Gespräch?
    3. Nutze die Haltung in der nächsten passenden Situation bewusst und schreib danach auf, wie es Dir damit ging.
    4. Suche eine Situation, in der Du Dich bisher nur abgegrenzt hast, obwohl Verbindung möglich wäre.
    5. Frag Dich dort: Was ist mein eigener Anteil, und was hat mich tatsächlich getroffen?

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    Dieser Artikel basiert auf Folge 57 von „Erfolg ist kein Glück“: „Let Them – Warum Mel Robbins damit recht hat … aber nur zur Hälfte (Teil 1)“ vom 09.06.2025.

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