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    Alles ist Training: Wenn der Reisepass weg ist

    Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 23.06.2025

    Manche Geschichten erzählt man nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie eine Haltung sichtbar machen. Diese hier beginnt mit einem klassischen Moment des Schreckens: Ich war auf einer Mastermind-Reise in der Türkei – und irgendwann war mein Reisepass weg.

    Was danach passierte, war anstrengend. Und es war eine der besten Übungen, die ich in letzter Zeit hatte.

    1. Der Moment, in dem Du entscheidest

    Pass weg, Pfingsten, Botschaft geschlossen, der zuständige Ansprechpartner erst am nächsten Tag erreichbar. Das ist der Punkt, an dem Du entweder ausrastest oder umdenkst.

    Am ersten Abend traf ich einen sympathischen Mitreisenden, der sinngemäß meinte: Ein verlorener Pass sei weniger schlimm als eine schwere Verletzung. Etwas grob, aber er hatte recht. Es gibt immer Schlimmeres – und dieser Satz blieb hängen.

    Die Auskunft am nächsten Tag klang trotzdem unerfreulich: eine Stunde Fahrt nach Antalya, dazu viele Stunden Wartezeit ohne Termin. Mein erster Impuls war Ärger. Mein zweiter Gedanke: Das hier ist eine Übung.

    2. „Das Leben ist eine Coaching-Einheit“

    Mir kam eine Erzählung des Psychologen und Coaches Jens Corssen in den Sinn: eine Reise, auf der praktisch alles schiefging – und die er nicht als Pech deutete, sondern als persönliche Coaching-Einheit. Wenn derart viel danebengeht, dann ist das offenbar Trainingsmaterial.

    Genau das habe ich mir gesagt. Und mit dieser Brille verändert sich die Frage. Sie lautet nicht mehr: Warum passiert mir das? Sondern: Wer hat hier gerade eigentlich das Problem – und welche Optionen habe ich?

    Diese Umdeutung ist keine Schönfärberei. Sie sorgt dafür, dass Du handlungsfähig bleibst, statt Energie in Empörung zu stecken. Mehr dazu in Die positive Perspektive.

    3. Statt zu klagen: Optionen suchen

    Ich habe mich hingesetzt und recherchiert – und tatsächlich den einzigen freien Termin der Woche gefunden: am nächsten Morgen um halb neun. Danach habe ich die Fahrt organisiert, statt mich auf die erstbeste Auskunft zu verlassen.

    Das ist die praktische Seite von Gelassenheit: Wer nicht in der Empörung feststeckt, sucht weiter. Fast jede Situation hat mehr Wege, als der erste Ratschlag vermuten lässt.

    4. Freundlichkeit ist kein weicher Faktor

    Vor der Vertretung wurden Menschen reihenweise weggeschickt – ohne Termin ging nichts. Ich hatte einen und durfte hinein. Der Beamte war freundlich und professionell, ich war es auch.

    Dann die Frage: Haben Sie Passbilder dabei? Natürlich nicht. Eigentlich hätte ich am nächsten Tag wiederkommen müssen. Stattdessen sagte er sinngemäß: Sie sind freundlich, Sie bleiben ruhig – ich mache das für Sie. Er verließ seinen Bereich und machte das Foto selbst mit dem Handy.

    Ich habe an diesem Morgen nichts erzwungen. Ich hatte weder Pass noch Foto – aber eine ruhige Haltung. Und die hat mehr bewegt als jedes Beharren.

    Am Ende hielt ich einen handgeschriebenen vorläufigen Ausweis in der Hand. Ein Stück Papier, das aussah wie aus einer anderen Zeit – und das mich nach Hause bringen sollte. Dass das nicht ohne weitere Prüfungen abging, erzähle ich in Der meistgeprüfte Mann von Antalya.

    Deine Übung für den nächsten Ärger

    1. Benenne die Situation in einem Satz – ohne Bewertung, ohne Schuldfrage.
    2. Frage Dich: Wer hat hier tatsächlich ein Problem, und was davon liegt bei mir?
    3. Schreibe drei Optionen auf, auch unrealistische. Die dritte ist oft die interessante.
    4. Prüfe bewusst, ob die erste Auskunft wirklich die einzige Möglichkeit war.
    5. Entscheide Dich für eine Option – und bleib freundlich zu allen, die daran beteiligt sind.

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    Dieser Artikel basiert auf Folge 59 von „Erfolg ist kein Glück“: „Zwischen Maybach und Meltdown (Eine Hommage an Jens Corssen)“ vom 23.06.2025.

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