Artikel zum Podcast
Unsichtbare Fesseln, Teil 3: Souvenirs, Erinnerungsstücke und was gehen darf
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 25.08.2025

Nach den Mustern in Teil 1 und Teil 2 geht es hier um die Vergangenheit: um Souvenirs, Erinnerungsstücke und Geschichten, die wir mit uns tragen. Die Frage der Folge lautet: Was davon trägt Dich – und was hält Dich fest?
Souvenirs oder Fesseln? Der Unterschied
Ein Souvenir erinnert Dich an etwas, das gut war, und Du kannst es danach wieder weglegen. Eine Fessel zieht Dich jedes Mal zurück in eine Zeit, aus der Du längst herausgewachsen bist. Beides kann in derselben Schublade liegen.
Es geht nicht nur um Möbel, Briefe oder Fotos. Es geht um Erinnerungen und ungelöste Geschichten, die Gewicht haben: das Bild aus einer unglücklichen Zeit, das Geschenk von jemandem, der nicht mehr zu Deinem Leben gehört, der Gegenstand, den Du nur aus Pflichtgefühl behältst.
Die Prüffrage ist einfach: Fühle ich mich mit diesem Stück leichter oder schwerer? Wenn Du bei einem Gegenstand zögerst, frag weiter: Passt er zu meinem heutigen Ich – oder hält er mich in einer alten Version fest?
Dazu gibt es eine buddhistische Erzählung: Zwei Mönche kommen an einen Fluss. Einer trägt eine Frau hinüber. Stunden später spricht sein Begleiter noch darüber. Der erste antwortet sinngemäß: Ich habe sie am Ufer abgesetzt – Du trägst sie immer noch. Genau das tun wir mit alten Geschichten. Und häufig gilt: Wenn außen Raum entsteht, entsteht auch innen Raum.
Loslassen heißt dabei nicht vergessen. Du darfst ein Foto machen, eine Notiz schreiben oder eine Kiste mit wenigen echten Erinnerungsstücken behalten – und den Rest ziehen lassen.
Ergänzung aus dem Skript zur Reihe
Das gemeinsame Skript der Reihe behandelt außerdem diese vier Muster. Sie ergänzen hier das Thema Loslassen; die Originalfolge 72 ist oben verlinkt und trägt den Schwerpunkt Souvenirs und Erinnerungsstücke.
9. Zukunftsangst: Übersetze eine Sorge in eine beeinflussbare Frage. Leite daraus einen nächsten Schritt ab, den Du tatsächlich gehen kannst.
10. Ständige Beschäftigung: Prüfe nicht nur, wie voll Dein Tag ist, sondern was Deine Tätigkeiten bewirken. Streiche, bündele oder delegiere, was lediglich Aktivität erzeugt.
11. Groll: Eine Verletzung anzuerkennen bedeutet nicht, fortwährend an ihr festzuhalten. Loszulassen heißt ebenso wenig, erlebtes Unrecht gutzuheißen.
12. Kontrollzwang: Unterscheide zwischen Deiner eigenen Handlung und Umständen, die Du nicht kontrollieren kannst. Richte Deine Aufmerksamkeit auf den Teil, den Du beeinflussen kannst.
Deine Übung für diese Woche
- Nimm zehn Erinnerungsstücke in die Hand und sortiere sie in zwei Stapel: Das trägt mich. Das hält mich fest.
- Wähle aus dem zweiten Stapel ein Stück aus, verabschiede Dich bewusst davon – fotografiere es vorher, wenn Du möchtest.
- Prüfe bei den übrigen Stücken: Bewahrst Du die Erinnerung – oder nur den Gegenstand?
- Lege für wichtige Erinnerungsstücke einen klar begrenzten Ort fest.
Die letzten vier Fesseln stehen in Teil 4.
Folge 72 anhören
Dieser Artikel folgt dem öffentlichen Schwerpunkt von Folge 72 von „Erfolg ist kein Glück“: „Souvenirs oder Fesseln? Wie du erkennst, was gehen darf (3/4)“ vom 25.08.2025. Die weiteren Muster der Reihe stehen hier als Zusammenhang daneben.
Folge 72 anhören