Artikel zum Podcast
Mythos „mehr Stunden“: Warum längere Arbeitstage wenig bringen
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 23.05.2024

Der zweite verbreitete Mythos lautet: Mehr Stunden bedeuten mehr Ergebnis. Er hält sich besonders gut, weil Anwesenheit sichtbar ist und Konzentration nicht.
Ich habe als Unternehmensberater selbst erlebt, wie eine Führungskraft ausgab, jeder habe von acht bis achtzehn Uhr am Platz zu sitzen, gern auch länger. Über die Ergebnisse sagte diese Regel nichts – über die Stimmung schon.
1. Der Punkt, an dem längere Tage kippen
Das typische Muster bei einem Projekt unter Druck: In der ersten Woche funktionieren die langen Tage scheinbar. Danach steigen die Fehler, Korrekturen kosten zusätzliche Zeit, und einfache Probleme wirken plötzlich unlösbar.
Die Rechnung geht dann nicht mehr auf: Die zusätzlichen Stunden erzeugen Arbeit, statt sie zu erledigen. Was dabei zuerst verloren geht, ist die Kreativität – genau der Teil, der sich kaum ersetzen lässt.
2. Pausen sind Teil der Arbeit
Konzentration ist keine Dauerleistung. Ohne Erholungsphasen sinkt sie über den Tag hinweg, und die Qualität sinkt mit. Deshalb gehören Pausen in die Planung – nicht in die Kategorie „wenn noch Zeit bleibt“.
Wie sich das praktisch organisieren lässt, steht in den Artikeln zur Pomodoro-Technik und zur Tagesplanung.
3. Kenne Deine besten Stunden
Jeder hat Tageszeiten, in denen anspruchsvolle Arbeit leichter fällt. Wer seine schwierigsten Aufgaben dorthin legt, braucht für dasselbe Ergebnis spürbar weniger Zeit.
Das setzt voraus, dass Du diese Zeiten überhaupt kennst – und sie Dir freihältst, statt sie mit Absprachen zu füllen.
4. Das Pareto-Prinzip als Filter
Das Pareto-Prinzip besagt, dass ein großer Teil des Ergebnisses aus einem kleinen Teil der Anstrengung entsteht. Als Formel taugt das wenig, als Filter sehr gut: Welche wenigen Aufgaben machen den Unterschied?
Diese Frage führt fast immer zu kürzeren Tagen mit besseren Ergebnissen – und passt zur Unterscheidung zwischen effektiv und effizient.
5. Was außerhalb der Arbeitszeit passiert, zählt mit
Lange Tage wirken nicht nur im Büro. Sie nehmen die Zeit weg, in der Du Dich erholst, bewegst und den Kopf frei bekommst – also genau die Zeit, aus der die Leistungsfähigkeit des nächsten Tages entsteht.
Das ist kein weicher Faktor. Wer mehrere Wochen ohne echte Erholung arbeitet, merkt die Folgen zuerst an der Laune, dann an der Qualität und schließlich an der Gesundheit.
In meiner Erfahrung ist der beste Gradmesser nicht die Stundenzahl, sondern die Frage: Bin ich am Feierabend noch ansprechbar für die Menschen, mit denen ich lebe?
Deine Übung für die nächste Woche
- Lege für fünf Tage eine feste Uhrzeit fest, zu der Du aufhörst.
- Plane pro Tag mindestens zwei echte Pausen ein, ohne Bildschirm.
- Notiere morgens die eine Aufgabe, die den größten Unterschied macht.
- Lege sie in die Tageszeit, in der Du erfahrungsgemäß am klarsten denkst.
- Vergleiche am Freitag Ergebnis und Erschöpfung mit einer normalen Woche.
Folge 22 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 22 von „Erfolg ist kein Glück“: „Die Wahrheit über Produktivität“ vom 23.05.2024.
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