Artikel zum Podcast
Selbstvertrauen aufbauen: Ein Muskel, kein Talent
Von Markus Beforth · Artikel erstellt am 23.09.2026 · Podcastfolge vom 28.04.2025

Du stehst vor einer Entscheidung, einer neuen Herausforderung oder einem Gespräch, vor dem Dir mulmig ist. Und die Gedanken kreisen: Kann ich das? Was, wenn ich mich blamiere?
Ich werde manchmal gefragt, ob ich bei größeren Vorhaben keine Zweifel habe. Doch – und bei einem meiner größten Abschlüsse waren sie sogar erheblich. Was den Ausschlag gab, war am Ende nicht mein Fachwissen, sondern die Bereitschaft, trotz Unsicherheit zu handeln.
1. Selbstvertrauen ist eine Fähigkeit
Im Kern ist Selbstvertrauen die Überzeugung, eine Situation bewältigen zu können. Es ist keine Veranlagung, sondern etwas, das durch Erfahrungen und durch Dein Denken geformt wird.
Wer sich etwas zutraut, geht Dinge an, die andere umgehen. Damit sammelt er Erfahrungen, die wiederum das Zutrauen stärken. Das ist ein Kreislauf – und die eigentliche Frage lautet, wie Du in ihn hineinkommst, wenn Du gerade wenig Zutrauen hast.
2. Achte darauf, was Du Dir über Dich erzählst
Stell Dir zwei Varianten vor demselben wichtigen Termin vor. Einmal: „Darin bin ich nicht gut, ich blamiere mich.“ Einmal: „Ich habe mich vorbereitet, ich gebe mein Bestes, und falls es nicht perfekt läuft, lerne ich daraus.“ Der Unterschied im Auftreten ist sofort spürbar.
- Statt „Ich kann das nicht“ – „Ich kann das noch nicht, ich arbeite daran.“
- Statt „Das klappt nie“ – „Ich finde einen Weg, das zu lösen.“
- Statt „Ich bin nicht gut genug“ – „Ich entwickle mich weiter.“
Schreibe Deine wiederkehrenden Zweifelssätze eine Woche lang auf und formuliere sie bewusst um. Der Effekt liegt nicht im Aufschreiben, sondern darin, dass Du die Sätze überhaupt bemerkst.
3. Entscheide – und setze Grenzen
Viele zögern ewig, weil sie einen Fehler vermeiden wollen. Meine Erfahrung: Die teuersten Fehler waren nicht die falschen Entscheidungen, sondern die, die ich zu spät getroffen habe. Ich arbeite deshalb mit einer festen Obergrenze an Bedenkzeit – bei mir sind es 72 Stunden. Danach wird entschieden.
Der zweite Punkt sind Grenzen. Wer dauernd zustimmt, fühlt sich irgendwann übergangen. Jedes klare Nein stärkt das Zutrauen in die eigene Urteilsfähigkeit – wie das ohne schlechtes Gewissen geht, steht in Nein sagen.
Eine Frage, die ich vor über 20 Jahren gelernt habe und bis heute nutze: Wenn ich vollkommen selbstsicher wäre – was würde ich jetzt tun? Und dann genau das tun. Verhalten formt Überzeugungen, nicht nur umgekehrt.
4. Körperhaltung wirkt in beide Richtungen
Unsicherheit zeigt sich im Körper: hängende Schultern, Blick nach unten, leise und schnelle Sprache. Der Zusammenhang funktioniert aber auch andersherum – Du kannst über die Haltung etwas an Deinem Zustand verändern.
- Aufrecht stehen, als würde Dich ein Faden am Scheitel nach oben ziehen.
- Blickkontakt halten statt auf den Boden oder über die Schulter zu schauen.
- Ruhig und mit Pausen sprechen statt hastig.
Das ersetzt keine Vorbereitung. Aber es verschafft Dir die Minute, in der Du überhaupt anfangen kannst.
5. Selbstvertrauen nach Rückschlägen
Zutrauen zu haben ist leicht, solange es läuft. Entscheidend ist, was nach einem Fehlschlag passiert. Hilfreich ist eine klare Unterscheidung: Ein gescheitertes Vorhaben ist ein Beleg dafür, dass dieser Ansatz nicht funktioniert hat – nicht dafür, dass Du nicht kannst.
- Frage nach einem Rückschlag nicht „Warum ich?“, sondern „Was lerne ich daraus?“ – siehe Die positive Perspektive.
- Bleib in Bewegung: Je länger die Pause nach dem Sturz, desto schwerer der Neustart.
- Führe eine Liste gemeisterter Herausforderungen. In Zweifelsmomenten ist sie Dein sachlicher Gegenbeweis.
Und der wichtigste Punkt zum Schluss: Selbstsichere Menschen kennen ebenfalls Angst. Sie haben nur gelernt, trotzdem anzufangen – in kleinen Schritten, gut vorbereitet, mit Beharrlichkeit.
Deine Übung für diese Woche
- Notiere eine Woche lang Deine wiederkehrenden Zweifelssätze und formuliere jeden um.
- Lege Deine persönliche Obergrenze an Bedenkzeit fest und wende sie auf eine offene Entscheidung an.
- Sag einmal bewusst Nein, wo Du sonst zugestimmt hättest.
- Geh in ein wichtiges Gespräch bewusst aufrecht, mit Blickkontakt und ruhiger Sprache.
- Schreibe fünf Herausforderungen auf, die Du bereits gemeistert hast, und heb die Liste auf.
Folge 52 anhören
Dieser Artikel basiert auf Folge 52 von „Erfolg ist kein Glück“: „Selbstvertrauen als Schlüssel zum Erfolg“ vom 28.04.2025.
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